Der Hausnotruf vom DRK

Älter, bunter, sicherer. Es gibt noch Trends, die Freude machen.

Beginnen wir mit etwas Ungewöhnlichem: Reden wir positiv über das Alter – und zwar auch über das hohe! Betrachtet man aktuelle Studien und Statistiken, führen gut die Hälfte der Über-80-Jährigen weitgehend selbstständig ihren Haushalt, organisieren den Alltag, kaufen ein, erledigen Behördengänge, gehen Hobbys nach, engagieren sich für Andere und sind oft näher an den neuesten Ideen ihrer Enkel und Urenkel als deren Eltern. Sie beugen Krankheiten vor, überwinden sie – oder leben mit ihnen, unter Nutzung aller Möglichkeiten, die Einschränkungen klein zu halten.

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Lebensqualität im Alter wird oft mit dem Begriff der Würde verbunden. Im heutigen, alltäglichen Gebrauch knüpft sich dieser im Grundgesetz an höchster Stelle verankerte Begriff vor allem an eine selbstbestimmte Lebensplanung und -gestaltung, an Teilhabe, frei von Diskriminierung und Zwang. Bereits die häufige Betonung der Würde in der Altenhilfe gibt aber zugleich einen Hinweis darauf, wo ihre vom Gesetzgeber garantierte „Unantastbarkeit“ in unserer Gesellschaft am stärksten gefährdet erscheint.

Große Bedeutung gewinnt dabei ein besonderer Ort: das eigene Zuhause als Lebensmittelpunkt, als Umgebung, die das eigene Leben oft seit Jahrzehnten prägt und trägt – gemeinsam mit dem Partner bzw. der Partnerin, aber auch als der Ort, an dem man in einer Art von Wohngemeinschaft mit den eigenen Erinnerungen lebt. Und selbst in der Euphorie von Aufbruchsstimmungen, die zum Glück in jedem Alter vorkommen, also mitten im gelingenden Alltag und bei der Realisierung spontaner oder lang geplanter Lebensziele, spielt dieser feste, vertraute Ausgangs- und Rückzugsort in der Regel eine zentrale Rolle.

Dennoch sollte die Funktion des Hausnotrufs nicht nur auf das Verbleiben in der eigenen Wohnung – oder auch auf eine erfolgreiche „Heimverhinderung“ – reduziert werden. Ein Hausnotrufanschluss stärkt vielmehr einfach den Rücken, wenn es darum geht, selbst darüber zu entscheiden, wie und wo man leben will. Das sprichwörtliche Bild vom alten Baum, den man nicht mehr verpflanzt, setzt daher in diesem Zusammenhang einen eigenartig falschen Akzent. Denn kein Baum verpflanzt sich selbst.

Und es ist kaum vorstellbar, dass er gefragt würde, wohin. Bäume werden verpflanzt. Dass dagegen der Mensch ein Leben lang seine Wohnung frei wählen kann – und sich zum Beispiel auch im Alter noch sehr bewusst entscheiden kann, umzuziehen – ist eben ein Teil seiner Würde: als Akt seiner souveränen Lebensplanung und -gestaltung. Nichts anderes übrigens als genau das, was mit großer Mehrheit auch die heute Jüngeren für ihr späteres Alter wünschen und beanspruchen.

Joachim Hurst

Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Lahr e. V.:

„Das DRK in Lahr versteht sich als Teil einer neuen Servicekultur, die aus unserem erfreulicherweise immer längeren Leben ein möglichst gutes Leben macht, indem sie dem Alter etwas von seiner beunruhigenden Schwere nimmt. Wir möchten Sie einmal dazu einladen, die aktuelle und zukünftige Rolle und Bedeutung des DRK-Hausnotrufs aus unserem eigenen Selbstverständnis heraus, aber auch aus der Blickperspektive unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennenzulernen.“

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Das Alter darf den Menschen nicht zum Objekt machen. Der Hausnotrufanschluss ist in diesem Sinne mehr als irgendein Element einer altersgerechten technischen Wohnungsausstattung. Er hilft dabei, bis ins höchste Alter selbst die Regie über das eigene Leben zu behalten. Die Sicherheit, die er gibt, ist vor allem auch Selbstsicherheit.

Dem Roten Kreuz in Lahr ist es als einem Vorreiter im Bereich des Hausnotrufs schon immer wichtig gewesen, nicht allein die Angst vor Risiken und negativen Folgen von Notfällen in den Vordergrund zu rücken, wenn es um die Beschreibung des Nutzens des Hausnotrufs geht.

Es sind auch ganz andere, sehr positive Perspektiven, die ein Hausnotrufanschluss eröffnet. So nehmen wir erfreut wahr, dass viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die unser Angebot auch vorbeugend und vorausschauend nutzen, an den Verbleib in ihrer Wohnung vor allem viele gute Gefühle in Richtung ihrer Familie und Freunde knüpfen. Und dabei geht es nicht immer nur darum, den eigenen Lieben bestimmte Sorgen zu nehmen, sondern etwa um den Anspruch, weiterhin im Leben eine gute, „würdevolle“ Rolle zu spielen: etwa als Gastgeberin oder Gastgeber für alle, die man gern „bei sich“ zu Besuch hat.

Karin Ruder

Mitarbeiterin unserer DRK-Hausnotrufzentrale:

„Es ist eine schöne Aufgabe, nicht nur Ansprechpartnerin, sondern Vertrauensperson für so viele „gestandene Persönlichkeiten“ im besten Sinne zu sein. Und ich mag es besonders, dass viele davon tatsächlich in der Nähe wohnen. So werden die Gespräche – erst recht die Einsätze meiner Kollegen im Fahrdienst – oft zur echten Nachbarschaftshilfe. Man kennt sich eben. Und man sieht, dass die Hilfe tatsächlich etwas bewirkt. Vor allem, wenn der Hausnotrufanschluss schon vor dem ersten echten Notfall erfolgt ist. Denn nie wirkt er hilfreicher und nachhaltiger als in diesem entscheidenden Moment.“

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Die Rotkreuz-Maxime der Hilfeleistung nach dem Maß der Not gibt dem DRK-Hausnotruf gerade bei krankheits-, oder altersbedingten Einschränkungen eine ganz spezielle Bedeutung. Hier unterstützt er besonders nachdrücklich den Anspruch auf Würde und Lebensqualität: nämlich gerade dann, wenn das schöne Bild des „erfolgreichen Alterns“ an seine Grenzen stößt – und Würde zum Recht auf Gebrechlichkeit wird.

An diesem Punkt stellt der Hausnotruf tatsächlich oft die entscheidende Voraussetzung für das Verbleiben in der eigenen Wohnung dar. Unser Hausnotrufdienst im DRK-Kreisverband Lahr kooperiert intensiv mit Pflegediensten, Kliniken, Einrichtungen des Betreuten Wohnens und der Tagespflege sowie niedergelassenen Ärzten, um eine optimale, individuelle Notfallvorsorge zu Hause sicherzustellen.

Dr. Peter Maurer

Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Genf:

„In unseren Augen spiegeln alle Maßnahmen der westlichen Nationalen Gesellschaften zum Schutz und zur Stärkung der individuellen Würde – wie zum Beispiel Maßnahmen zur Förderung des Rechts älterer Menschen auf ein selbstbestimmtes Leben – die Grundwerte und gemeinsamen Ziele der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung vollständig wider.“

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Wer in einer Notfallsituation Hilfe braucht, ist in keiner starken, selbstbewussten Verfassung. Darum ist es am besten, bereits vorausblickend eine wichtige Entscheidung zu treffen. Diese reicht über den normalen Rahmen eines Anbietervergleiches weit hinaus. Die entscheidende Frage ist nämlich eine sehr persönliche: „Wem vertraue ich, wenn es eines Tages wirklich einmal darauf ankommt?“ Diese Frage rührt direkt an den Kern des Selbstverständnisses des Roten Kreuzes. Das gilt für uns in Lahr wie für unsere Kolleginnen und Kollegen im gesamten Bundesgebiet, mit denen wir gemeinsam zurzeit insgesamt ca. 200.000 Menschen jeden Tag rund um die Uhr Sicherheit geben.

Nachdem der Hausnotruf im Jahre 1980 von einem weitsichtigen Klinikchef in Wilhelmshaven – ursprünglich aus einer Telefonkette für Nachsorgepatienten – entwickelt wurde, hat sich das Deutsche Rote Kreuz schnell als bundesweiter Marktführer etabliert – und diese Stellung bis heute kontinuierlich ausgebaut.

Seit seinen Ursprüngen bestimmt die genannte „Vertrauensfrage“ im DRK-Hausnotruf sowohl den Anspruch unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer, als auch unseren Anspruch an uns selbst. Alle Mitglieder unseres Teams arbeiten in dem Bewusstsein, dass hier der Schlüssel zu unserem Erfolg und zur Sinnhaftigkeit unserer Arbeit liegt. Wenn wir von Kompetenz und Qualität sprechen, dann meinen wir mehr als die Bedienung einer guten technischen Lösung.

Beim Roten Kreuz ist das Bekenntnis zum Menschen und zur Hilfeleistung auf einer anderen Ebene angesiedelt. Der DRK-Hausnotruf ist nichts anderes als eine zeitgemäße Anwendungsform einer zentralen Rotkreuz Idee: Hilfe nach dem Maß der Not, unabhängig von der Nationalität, der Rasse, der Religion, des Geschlechts, der sozialen Stellung oder der politischen Überzeugung.

Dr. Hans Jonas

Ehrenamtlicher Notarzt
des DRK-Kreisverbands Lahr e. V.:

„Der DRK-Hausnotruf verbindet nicht nur Teilnehmer und Zentrale, sondern bildet die Voraussetzung für ein verlässliches Netzwerk gegenseitiger Verantwortung und Sicherheit, an dem viele Menschen teilhaben: Angehörige, Nachbarn, Freunde, aber auch Ärzte, Pflegekräfte, oder andere Personen des persönlichen Umfeldes. Ein solches Netzwerk schafft also Vorteile auf allen Seiten, und es senkt im Ergebnis auch die Kosten im Gesundheitswesen. Dies wären gute Gründe, es stärker zu fördern.“

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Es ist gar nicht so einfach, in einem Moment der Gefahr, der Angst oder gar unter starken Schmerzen alle Sinne beisammen zu halten. Selbst Menschen, die gar nicht selbst betroffen sind, fällt es oft schwer, in einer plötzlich auftretenden Notfallsituation sofort die richtige Nummer zu wählen und alle wichtigen Informationen mit der nötigen Präzision zu übermitteln.

Für Selbstbetroffene ist dies – verständlicherweise – noch erheblich schwerer. Das gilt auch zu Hause. Und erst recht bei bereits vorhandenen gesundheitlichen oder altersbedingten Einschränkungen.

Dieses im Extremfall lebensgefährliche Problem löst der Hausnotruf dadurch, dass er die professionellen Anforderungen an die Übermittlung eines Notrufs nahezu vollständig vom Sender auf den Empfänger verlagert. Beim Absenden eines Notrufs gilt hier verbindlich die bekannte Maxime „Ein Knopfdruck genügt“. Alles weitere liegt dann sofort in unserer Hausnotrufzentrale in professionellen Händen. Wir kennen keine andere Lösung, die in ähnlicher Weise so konsequent auf genau diese Aufgabe eingestellt wäre.

Nicht zufällig hat der Hausnotruf auch innerhalb der Strukturen des Deutschen Roten Kreuzes als soziale Dienstleistung einen hohen Stellenwert. An der besonderen Kompetenz-Schnittstelle zwischen dem Notfallmanagement im Rettungsdienst und der sozialen Arbeit in der Rolle eines Spitzenverbandes der Wohlfahrtspflege – z. B. in der Altenhilfe – positioniert sich der DRK-Hausnotruf als bundesweit flächendeckendes Angebot. Gemeinsame, verbindliche Qualitätsstandards und eine intensive fachliche Vernetzung ermöglichen eine permanente qualitative und bedarfsgerechte Weiterentwicklung des Angebotes.

Jochen Schröder

Verwaltungsratsvorsitzender des DRK-Kreisverbands Lahr e. V.:

 „Der Hausnotruf nimmt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, aber auch Angehörigen eine große Sorge: dass ein Notfall gar nicht oder zu spät bemerkt wird – mitten im geliebten Zuhause. Hier ist der Hausnotruf nach wie vor der beste und ausgereifteste Garant für Sicherheit. Aber er ist mehr als eine „Notlösung“. Wer sich sicherer fühlt, fühlt sich automatisch besser. Der DRK-Hausnotruf steigert nicht nur die Effizienz von Rettungsmaßnahmen, sondern wirkt auch außerhalb von akuten Notfallsituationen. Er fördert demografiefeste Lebensqualität in unserer Stadt und unserer Region – für alle.“